Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

Archiv

… WIE AUSGELEBT

Liebe ist wie Leben – nur anders…“.

Mit diesen drei Worten beginnt der Debüt- Roman des 1991 geborenen Florian Zach aus Cham. Ein 19 -jähriger, der die Liebe als „unantastbares Gut“ bezeichnet, mag zuerst einmal verwundern. Als „untypisch“ würden es die meisten bezeichnen. Genauso untypisch ist das violettfarbene Buchcover und die Tatsache, dass der Jungautor bereits seinen eigenen Verlag hat, bei dem nun schon seine zweite Veröffentlichung erschienen ist.

Im Mittelpunkt von „… wie ausgelebt“ steht der 24 -jährige Protagonist und Erzähler, dessen Namen dem Leser verborgen bleibt. In tagebuchartiger Form schreibt der suizidgefährdete Mann seine Gedanken auf. Immer wieder schimmert der Grund seines anstrebenden Freitods – zu wenig Liebe besonders von seiner Mutter – durch. Er schmiedet einen Plan, von dem er felsenfest überzeugt ist, ihn umzusetzen und schreibt Abschiedsbriefe an alle relevanten Personen sowie an die Presse. Er will sterben und zwar in Budapest. Er trifft die letzten Vorbereitungen, besorgt sich auf dem Schwarzmarkt Schlaftabletten. Der Versuch scheitert, der Protagonist wagt einen zweiten Versuch. Dieses Mal möchte er seinem „verkorksten Leben“ mit Gift ein Ende setzen. Doch auch dieser Versuch misslingt, da er in der letzten Sekunde durch ein Klopfen an der Zimmertür erschreckt wird. Niedergeschmettert verlässt er Budapest und kehrt in sein Elternhaus zurück, wo er mit Entsetzen und Freude zugleich aufgenommen wird. Er registriert das erste Mal, dass es Leute gibt, die um ihn trauern, die ihn vermissen und froh sind, dass es ihn gibt. Er versöhnt sich mit seiner Mutter und beginnt von nun an ein neues Leben.

Die sehr gefühlsbetonte und melancholische Sprache, die eindeutigen Handlungsstränge und der offene Schluss, machen das 200-seitige Taschenbuch zu einem lesenswerten Ausflug in die Welt des Jungautoren. Betont werden außerdem explizite Gedanken und das Innerste eines verzweifelten, jungen Menschens, was eine beachtliche Leistung darstellt. Allerdings merkt man, dass es dem Autor noch ein wenig an Praxis fehlt. Zu viele Wiederholen, einfache Sprache, ein geradliniger Spannungsbogen verraten den 19 -jährigen.

Letztendlich muss mal bei einer Bewertung, neben dem Alter des Autors auch die Tatsache, dass das Buch in Eigenkorrektur entstanden ist, beachten. So sieht man auch gerne über den ein oder anderen Zeichensetzungsfehler hinweg.

Das Buch ist jedoch definitiv ein „Geheimtipp“, welcher bei knapp 5000 verkauften Exemplaren erst recht deutlich wird.

Mit wenigen Verbesserungen und der zunehmenden Erfahrung des Schriftsteller wird eines Tages aus ihm vielleicht ein Bestsellerautor!

Daumen hoch!

ISBN: 978-3-00-027518-0, Verlag: dein-lieblingsbuch (Eigenverlag), Erschienen: Mai 2009, Preis: 9,95€

Dein Kommentar