Kunst – abseits des Mainstreams
Dienstag 26. September 2017

Archiv

CHATROOM-FALLE

An einem regnerischen Tag im Juni werden zwei verstörte Mädchen hinter einer Bushaltestelle, irgendwo in der holländischen Provinz, aufgefunden. Sofort ist klar, dass ihnen etwas schlimmes zugestoßen sein muss.

Zeitsprung, ungefähr drei Wochen zuvor:

Marcia und Floor, beide 15 Jahre alt, sind beste Freundinnen und besuchen die selbe Klasse des Henning-Gymnasiums. Während Marcia ein gutaussehendes, selbstbewusstes Mädchen ist, das bei Jungs ankommt, ist ihre Freundin Floor hingegen eher schüchtern. Marcias Leidenschaft sind Chatrooms, in denen sie regen Kontakt zu Fremden, größtenteils männlichen Personen hat. Völlig unbedarft, mit dem Gefühl alles unter Kontrolle zu haben, tauscht sie Handynummern, zieht sich vor der Webcam aus und will sich mit einem jungen Mann treffen. Sie animiert Floor dazu in Chatrooms aktiv zu werden und zeigt ihr die ersten Schritte. Nach anfänglicher Skepsis sammelt ihre schüchterne Freundin ebenfalls allerlei Erfahrungen in Chatrooms. Wenig später erhält Floor von einer Modellagentur ein Angebot, von dem sie gleich Marcia berichtet. Diese ist direkt davon begeistert und sieht in der Offerte für beide die Chance sich einen Mädchentraum zu erfüllen: Modell zu werden! Nachdem sich die Mädchen im Internet über die Agentur informiert haben, haben sie keine Zweifel mehr an deren Seriosität. Auch Floors Mutter ist von dem Gedanken angetan, dass ihre Tochter ein Modell wird und unterstützt sie dabei. Es kommt zu einem Probeshooting in einer Parkanlage für eine angeblich neu erscheinende Mädchenzeitschrift. Kurze Zeit später erfolgt die ernüchternde Absage. Die Agentur bietet ihnen eine weitere Chance, ein Shooting für einen Modekatalog. Wild entschlossen, diese Chance zu nutzen gehen die Freundinnen total unbedarft zum nächsten Termin. Dort erleben sie einen Albtraum aus Nacktfotos und Drogen, der hinter der Bushaltestelle endet.

Bei „Chatroom-Falle“ handelt es sich um ein realitätsnahes, spannendes Buch, worin die niederländische Provinz Symbolcharakter hat und stellvertretend für alle anderen Städte in unserer Gesellschaft steht. In dem Roman wird anschaulich dargestellt, dass man im Umgang mit virtuellen Personen sehr vorsichtig und skeptisch sein muss. Es wird in der Cyberwelt von kriminellen Subjekten, ein zum Teil immens hoher, skrupelloser Aufwand betrieben, um das Vertrauen junger Menschen zu erschleichen und für üble Machenschaften zu nutzen.

Die Polizei ist in solchen Fällen, dank intensiver Ermittlungsarbeit, zwar erfolgreich in der Aufklärung und kann in den meisten Fällen die Täter überführen. Doch den seelischen Schaden, der den betroffenen Personen zugefügt wurde, müssen sie selbst verarbeiten.

Helen Vreeswijk arbeitete in den Niederlanden als Kriminalbeamtin. Ihre Bücher beruhen auf realen Fällen. Ist man sich dessen bewusst, erscheint dieses Buch umso erschreckender. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Jugendliche die in „Chatroom-Falle“ geschilderten Vorkommnisse vor Augen führen und realisieren, dass wir durch die Cyberwelt zu einem gläsernen Menschen geworden sind. Der sorglose Umgang mit persönlichen Daten im Internet birgt Gefahren in sich, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.

Aufklärung ist die einzige Möglichkeit, Jugendliche vor kriminellen Machenschaften im Netz zu schützen. Dieses Buch leistet einen wertvollen Beitrag dazu.

ISBN: 978-3-7855-7271-9, Verlag: LOEWE-Verlag, Erschienen: in deutscher Sprache 2010, Seiten: 304, Preis: 6,95 €

Dein Kommentar