Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

Archiv

DIE. GIER -Erlaubt ist, was Umsatz bringt-

Justina Meinhardes, Alleinerbin des millionenschweren Kosmetikunternehmens meinhardes cosmetic mit Sitz in Frankfurt, ist makellos, erfolgreich und vermögend. Ohne Prada, Vuitton, Dior oder Hermès geht sie niemals aus dem Haus, das beste Restaurant der Stadt ist gerade gut genug für sie und wer ihr widerspricht, kann seine Tage als Mitarbeiter bei meinhardes cosmetic zählen.

Ihr Motto: „Kein Erfolg kann meinen Ehrgeiz bezähmen, ich strebe immer nur noch mehr.“.

Als ganzer Stolz ihrer Grand-Mère, Claire Meinhardes, die das Kosmetikunternehmen Mitte des 20. Jahrhunderts, zu Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs, an die Spitze der Kosmetikindustrie geführt hat, kümmert sich nun Justina eindringlich um das Familienunternehmen. Durch ihre eigene Kollektion COMME JUSTINE lässt sie die Absatzzahlen kräftig ansteigen, und rettet so das Heiligtum von Grand-Mère, das ihr Vater beinahe in den Ruin getrieben hätte. Doch Justina wäre nicht Die, wenn sie nicht einen handfesten Grund für all ihre Anstrengungen hätte. Sie will Macht. Die Macht. Die absolute Macht über meinhardes cosmetic. Und sie arbeitet mit Erfolg darauf hin. Medienwirksame Auftritte, Affären mit Sportlern und Schauspielern bringen sie nahezu auf jede Titelseite der Boulevardpresse.

Um zu bekommen, was sie begehrt, zieht sie alle Register. Wofür eine komplette Entwicklungs- und Testreihe von neuen Substanzen starten, wenn man mit anderen Duftstoffen und Farbnuancen das Gleiche erreichen kann? Die Artikelbezeichnung COMME JUSTINE und eine auffälligere Verpackung vorausgesetzt. Justinas Produkte konzentrieren sich auf das Hochpreissegment, ganz nach ihrer Devise „auf ihr Äußeres schmieren sie gerne Hochpreisiges.“. Mit jedem Schritt über den roten Teppich scheint sie ihrer Begierde näher zu kommen. Skrupellos plant sie ihre Auftritte, schaltet ihre Gegner aus, verliert niemals ihr Ziel vor Augen und lässt keinen Hauch von Schwäche aufkommen. Ob sie nun auch Grand-Mère von sich überzeugen kann? Schließlich gehören der zähen, alten Damen momentan noch die meisten Anteile von meinhardes cosmetic.

Die Welt als „persönlicher Bonbonladen“, in dem sich Justina ganz nach ihrem Verlangen bedienen kann. Volk und Politik als nicht endender Kreislauf von Selbstbetrug. Und die Umsatzzahlen geben ihr Recht. Meinhardes Leitmotiv „Erlaubt ist, was Umsatz bringt!“ scheint in unserer Konsumgesellschaft voll und ganz aufzugehen. Zu viel Schein, zu wenig Sein und viel zu viel Geld regiert die Welt. Wenn man auf Trauerfeiern nur noch geht, um seine sentimentale Seite zu zeigen, sich niemals verlieben darf, weil Liebe mit der Projektion der eigenen Sehnsüchte auf eine andere Person gleichgestellt wird, stellt sich die Frage, wann die menschliche Gier nach Schönheit, Geld und Macht gestillt wird, wenn man(n) / frau den Hals nicht voll kriegen kann?

Absolutes must-have für Fans von Literatur abseits des Mainstreams!

ISBN: 978-3-86286-000-5, Verlag: michason & may, Erschienen: August 2010, Preis: 12,95€, Seiten: 260.

Dein Kommentar