Kunst – abseits des Mainstreams
Dienstag 26. September 2017

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DIE PENTHOUSE PARTY

Zwei Freunde, die sich während des Studiums kennengelernt haben und genauso unterschiedlich sind wie der Ruf ihrer Studiengänge. Neben einer jahrelangen Freundschaft, die mal intensiver war, mal auch nur aus losem Kontakt bestand, gibt es doch einen Punkt, an dem sich beide gleich sind: sie erleben einen privaten Absturz.

Herbert studierte Bauingenieurwesen. Er stammt aus einer Müller-Familie und ist auf dem Land aufgewachsen. Schon früh fiel er durch seine “bestechende Intelligenz” auf und besuchte als erster der Familie eine Universität. Als seine zehn Jahre jüngere Freundin Vera früh schwanger wird, heiratet er sie nach den damaligen Moralvorstellungen. Vera ist aus gutem Hause. Ihr Vater, ein Augenarzt, ist früh gestorben und hinterließ genug Erspartes für seine Frau und sein einziges Kind. Nach dem Tod des alten Müllers wird die kleine Familie durch das Erbe vermögend und kann sich einen hohen, aber schlicht gehaltenen Lebensstandard leisten. Während sich Vera liebevoll um den Nachwuchs kümmert, geht ihr Mann seinen Hobbys nach. Herbert hat es geschafft.

Konrad studierte Architektur. Er ist ein Lebemensch, risikofreudig und zockt seit seinem Studium in Casinos. Ein Jahr nach seinem Examen läuft es nur mäßig bei ihm, denn in der Architekturbranche herrscht eine hohe Konkurrenz. Er weiss, dass er sich durch Beteiligungen an Planungs-Wettbewerben erst einen Namen verschaffen muss. Vordere Platzierungen bei Wettbewerben und sein Image aus Ernsthaftigkeit und Lässigkeit kommen immer besser an. In den Räumen seines bisher größten und bedeutendsten Projekts kauft er das obere Geschoss mit Penthouse-Wohnung. Ein paar Jahre später erlaubt ihm die wirtschaftliche Lage Mitarbeiter einzustellen und sein Atelier gleich neben der Privatwohnung einzurichten. Konrad hat es geschafft.

Zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Am Mittagstisch in der Mensa kennen und schätzen gelernt, begegnen sie sich im Laufe der Jahre immer wieder. Der lose Kontakt nach dem Studium intensiviert sich als Herbert seinen alten Freund mit der Planung seines Eigenheims beauftragt. Seine “Erstgeburt” wie Konrad seinen ersten Auftrag nannte, entpuppt sich als Baustein im zweideutigen Sinne. Der Architekt fasst Fuß auf dem umkämpften Markt, entwickelt sich als engagierter, streng auf seine Arbeit konzentrierter Planer, der Seriosität ausstrahlt und Verhandlungsgeschick besitzt. Durch erfolgreiche Wettbewerbe ergattert er interessante, vielversprechende Aufträge und lernt dabei seine Ehefrau Anna, die Tochter eines Privat-Bankiers, kennen. Herbert hingegen widmet sich nicht mehr seinen studierten Fähigkeiten. Er spekuliert erfolgreich an der Börse und beschäftigt sich mit Immobilien, während er seine Freizeit oft alleine im Tennisclub oder mit Segelfliegen verbringt. Zu seiner Ehefrau Vera und den beiden Söhnen pflegt er ein freundliches, aber kühl und distanziertes Verhältnis, das er stets mit der dominanten Umgangsform seines strengen Vaters begründet. Mit Emotionen und zwischenmenschlichen Bedürfnissen kann er nichts anfangen. Seit Jahren schläft er in seinem eigenen Bett.

Beide leben in gesellschaftlichem Wohlstand, sind verheiratet, Herbert hat zwei Söhne, Konrad hegt zum Sohn aus der ersten Ehe von Anna eine väterliche Beziehung. Sie beschäftigen sich mit dem, was ihnen Freude bereitet und sollten eigentlich glücklich sein. Dann folgt bei beiden der gnadenlose Absturz.

Zwei Freunde, zwei unterschiedliche Charaktere, beide straucheln in ihrem Leben. Die Penthouse Party gleicht einem modernen Märchen. Anspruchsvoll vor ernstem Hintergrund, erzählt der Autor den Lauf des Lebens, zeigt Grenzen des Glücks und verdeutlicht, dass das was im Leben wichtig ist, nicht käuflich ist.

Eine beeindruckende Geschichte, die dem Leser noch lange danach präsent sein wird.

ISBN: 978-3-89514-798-2 | Verlag: Karin Fischer Verlag | Erschienen: Mai 2009| 152 Seiten | Preis: 12,50€

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