Kunst – abseits des Mainstreams
Sonntag 24. September 2017

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DIE SILIKONLIEBHABER

Javier Tomeos 140-seitiger Roman ist als Para­bel aufgebaut. Die Rahmenhandlung bildet ein zur Korrektur eingeschickte Manuskript eines Bekannten des Autors, welches Sujet der Ge­schichte ist und vom Autor als „prächtigen Schwachsinn“ abgetan wird.

Der Lesestoff für einen Tag handelt von einem Ehepaar im gesetzten Alter, dessen Sexleben längst eingeschlafen ist. Sie nächtigen in ge­trennten Zimmer, bezahlen getrennt ihre Rech­nungen, fahren mit unterschiedlichen Verkehrs­mitteln und haben sich auch sonst nicht mehr viel zu sagen.
Doch die Lust vergeht auch im Alter nicht: beide haben sich eine Gummipuppe neusten Modells zugelegt, die sich nicht nur an einfachen Kom­munikationen beteiligen kann, sondern ihnen den ultimativen Orgasmus verschaffen kann.
Als ihre Besitzer Basilio und Lupercia unerwartet früh nach Hause kommen, erwischen sie ihre Gummipuppen live in Aktion, worauf die Ersatzliebhaber in die jeweiligen Wandschränke verbannt werden.
Dort philosophieren sie und gestehen sich ihre Liebe, während ihre beiden Besitzer schon an eine Neuanschaffung denken.

Der Roman endet mit der fünften Lieferung der Manuskripte zur Korrektur an den Autor sowie einem kleinen Kapitel „Anstelle eines Nachworts“.

Zu utopisch die Idee, zu billig die Aufmachung. Eine Geschichte, die sich außerhalb des Mainstreams bewegt, jedoch keine Klasse besitzt sich durchzusetzen.

ISBN: 978-3-8031-3228-4
Verlag: Wagenbach Verlag
Erschienen: Februar 2010
Preis: 16,90€

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