Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

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FISCHMARIE – Peter Koebel

Marie lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einer überschaubaren Kleinstadt nahe der deutsch-französischen Grenze. Ihren Spitznamen „Fischmarie“ erhielt sie bereits während der Mittelstufe, in Anspielung auf das familieneigene Fischgeschäft, in dem beide Elternteile arbeiten. Sie führen das Leben einer durchschnittlichen, gutbürgerlichen Familie, in der traditionsgemäß der Sohn einmal den Betrieb übernehmen wird. Nachdem Maries Bruder allerdings durch einen Unfall im Wachkoma liegt, ändert sich ihr Alltag schlagartig. Die Mutter sitzt fortan Tag und Nacht an seinem Bett und verwendet sämtliche Geldmittel für Wunderheiler, die ihren Sohn wieder genesen lassen sollen. Um die Familie finanziell über Wasser zu halten, muss Marie die Schule abbrechen und hinter der Fischtheke stehen. Die Monotonie des „überschaubaren Mikrokosmos“, der Zwang der Gesellschaft und ihr Wunsch selbstständig und unabhängig zu sein, lassen ihre Persönlichkeit wandeln. Ziellos, gar süchtig nach dem Kick, streift sie nachts durch die Straßen, zerstört mutwillig Sachen und gipfelt ihre nächtlichen Streifzüge mit einem Einbruch in das Haus ihres pädophilen Sportlehrers. Dieser wird kurz darauf tot in seiner Wohnung aufgefunden und Marie ist verschwunden. Sie taucht in Frankreich unter und schlägt sich mit Prostitution durch. Als ein Verleger auf der Frankfurter Buchmesse erstochen wird, und Marie, inzwischen unter dem Namen Gudrun unterwegs, die erste am Tatort ist, fällt der Verdacht der Polizei schnell auf sie. Was hat Marie alles zu verheimlichen?

Was erzählt man, was behält man wohlweislich besser für sich? Jene Frage stellt sich Marie alias Gudrun, als sie von Kommissar Schneider verhört wird. Gleichzeitig wird diese Frage auch von dem Ich-Erzähler des Romans aufgegriffen, der sich Gedanken um den Aufbau seines Manuskripts macht. Peter Koebels kurzweiliger Roman besteht aus zwei Handlungssträngen, die sowohl die Realität, als auch die Vergangenheit der Protagonistin beleuchten. Fischmarie ist leicht philosophisch und auf jeden Fall etwas für Liebhaber von Literatur abseits des Mainstreams.

Auch wenn der Roman inhaltlich bei weitem nicht an die Leistung von Koebels Erstlingswerk „Die.Gier“ herankommt -die Messlatte liegt einfach sehr hoch- macht es dennoch Spaß sich von der spritzigen, humorvollen Sprache des Autors zu mitreißen zu lassen. Sein Erfolgsgeheimnnis ist sein Schreibstil. Offen, authentisch, direkt.

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