Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

Archiv

GEFANGEN IM FALSCHEN KÖRPER

knapp 30 Jahre später wiedergeboren – als Mann

Sie fühlte sich gefangen, fremd im eigenen Körper, führte ein Sklavendasein.Doch ihr Wille und die Liebe zum Hochleitungssport verdeckten ihr Anderssein.

Deutsche Jugendmeisterin 1997, Bronze bei der Europameisterschaft 1998, 6. Platz Olympische Spiele 2002, 3. Platz Europameisterschaft 2002, deutsche Meisterin 2003 und viele weitere Titel konnte sie in ihrer kurzen Karriereerlangen. Erst nach einer schwerwiegenden Verletzung konnte sie genug Abstand gewinnen, um zu sich selbst zu.
„Ich hatte eine schöne Kindheit, wurde geliebt und umsorgt.“, beschreibt Buschbaum in seiner Autobiographie. Doch die für uns so selbstverständliche Freiheit und Lebensfreunde blieb ihm die ersten 27 Jahre verwehrt. Dennoch lebte er als Mann, kleidete sich als solcher, wurde dementsprechend von seiner Umwelt wahrgenommen und hatte Kontakt zu heterosexuellen Frauen. Auf dem Weg in die Freiheit, in die vollkommene Zufriedenheit, die er als Frau jedoch nie erreichen konnte, trainiert er sich als Yvonne Buschbaum kaputt. „Bestrafungstraining“ in Form von harten Sprints, bringen ihm Beschwerden, bis die Achillessehne reißt.

Sport war bis dahin sein ganzes Leben. Er verdankte ihm viel, lebte von, musste ihn aber auch vor alle anderen Bedürfnisse stellen. Als ihn der Achillissehnenriss unerwartet einen Zwangspause einlegen lässt, findet er zu sich, trifft seine Entscheidung sich einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen und leitet alle nötigen Schritte ein. „Es war, als hätte jemand in mir eine verschlossene Tür aufgestoßen, die so groß war, dass King Kong, Goliath und Godzilla gemeinsam durch sie gepasst hätten.“, beschreibt er sein Gefühl nach Bekanntgabe seiner Pläne. Von nun an vergehen knapp eineinhalb Jahre, bis Hormonbehandlungen, mehrere Operationen, Behördengänge, Umschreibungen und Ummeldungen abgeschlossen sind, und aus der einstigen Yvonne ein nahezu makelloser, attraktiver und muskulöser Mann gereift ist. „…gerade im Schnelldurchlauf die Pubertät hinter mich gebracht“, ist seine Aussage, als er das erste Mal mit seinem Hund Philli im Stehen pinkeln geht.

Was sich schon nahezu wie ein Tagebuch liest, besteht aus einer Schilderung der Gefühlswelt, die Höhen und Tiefen durchmacht. Angefangen von der innigen Beziehung zu seiner Oma, über die schöne Kindheit, weiter zur schlimmen Pubertät, Kontakte und Beziehungen zu Frauen, über die Erleuchtung der Transidentität. Darauf folgt die Hormonbehandlung durch Testosteronspritzen, Begleiterscheinungen wie Stimmbruch, Körperbehaarung, kantige Gesichtsform, Brustabnahme und als Höhepunkt die Peniskonstruktion aus Unterarmgewebe.

Balian Buschbaum erzählt seine ganz besondere Lebensgeschichte.
– Um Mut zu machen. Um Veränderung zu erreichen. Und umehrlich zu sich selbst zu sein.
Das gelingt ihm hervorragend, er wirkt authentisch und sympathisch und regt zum Nachdenken über das sonst so taburisierte Thema Transsexulität / Transidentität an.

ISBN: 3-8105-2619-3
Verlag: Krüger Verlag
Erschienen: März 2010
Preis: 17,95€

Dein Kommentar