Kunst – abseits des Mainstreams
Samstag 19. Mai 2012

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INTERVIEW MIT DEM DUTSCHKE-VERLAG

Vor kurzem wurde in Neustadt an der Weinstraße (Pfalz) ein neuer Verlag gegründet – der “Dutschke-Verlag.” Anstatt sich auf eine Gattung zu spezialisieren, wollen die fünf Gründungsmitglieder Büchern veröffentlichen, die sie für unterstützenswert halten. Besonders wichtig sind ihnen dabei die Bereiche Bewusstsein, Philosophie, Kunst, Glaube und Toleranz und Freiheit.

Wir haben ein Interview mit einem der Gründungsmitglieder, Sandra Dutschke, geführt. Auch arbeiten wir an einer Rezension über deren Erstveröffentlichung “Kaperfahrt nach Palmares”, ein historischer Roman von Oliver Steinke über weiße, insbesondere irische Sklaven in der Karibik, welche wir nächste Woche online stellen werden.

Rudi Dutschke

Frau Dutschke – Bei “Dutschke-Verlag” denkt man eigentlich gleich an das Sprachrohr der 60er Studentenbewegungen. In wie fern besteht ein Zusammenhang oder ist es Zufall?
Sandra Dutschke: Nein, der Name wurde bewusst gewählt, da wir Rudi Dutschke für einen ungewöhnlichen und humanistischen Aktivisten halten. Wir sind zwar keine Marxisten, aber ähnlich wie bei Rosa Luxemburg waren Rudi Dutschkes wesentliche Gedanken freiheitlich. Ich heiße auch so und deshalb kamen wir darauf.

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Gründung Ihres Verlages, wie ist er entstanden?
Mehr oder weniger spontan im Gespräch zwischen fünf Freunden, Liebenden. So ist es also nicht mein Verlag, sondern ein Kollektiv.

Im Internetzeitalter haben selbst große Tageszeitungen Probleme ihre Auflagen zu halten, wie kann sich da ein kleiner Verlag positionieren?
Wir sind inhaltlich klar abgegrenzt, aber eben doch so vielfältig, dass wir ein großes Spektrum an verschiedenen Menschen ansprechen und nicht etwa nur eine spezielle Szene. Dadurch, dass unsere Auflagen von vornherein nicht so hoch sind, können wir versuchen, so bekannt zu werden und in den Markt zu kommen, dass sich unser Verlag trägt.

Was und wen möchten Sie mit Ihrem Verlag erreichen?
Interessierte, offene LeserInnen, jung und alt. Von Buch zu Buch kann sich das schon unterscheiden. Unser aktueller Roman „Kaperfahrt nach Palmares“ ist beispielsweise nichts für Kinder und Jugendliche.

Auf welche(s) Genre(s) wollen Sie sich mit Ihrem Verlag spezialisieren?
Wir wollen uns nicht spezialisieren, sondern Bücher veröffentlichen, die wir unterstützenswert finden. Das kann einfach alles sein, von Kinderbüchern bis hin zu Kunstbänden. So ist Friedhelm, ein Gründungsmitglied des Verlags, zum Beispiel ja auch Fotodesigner und betreibt mit lunisolar bereits ein eigenes erfolgreiches Projekt. Fotobände oder Kalender sind also auch angedacht. Alle unsere Veröffentlichungen sollten für mehr Bewusstsein werben.

Was muss ein Buch haben um im Dutschke-Verlag veröffentlicht zu werden?
Wir sind nicht dogmatisch, wollen offen bleiben. Aber schon gegen den Mainstream, die vorgegebenen Normen und für ein alternatives Lebensgefühl und Lebenswege – aber das gibt es ja in tausend Varianten. So wollen wir keine eingreifende Zensur vornehmen, doch sind wir libertär positioniert und Inhalte sollten dem natürlich nicht entgegenstehen.

Können Sie uns schon etwas zu den nächsten Veröffentlichungen verraten? Auf was dürfen sich unsere Leser in der nächsten Zeit freuen?
Wir planen historische Bücher über den Pfälzer Bauernkrieg von 1525 und den spanischen Bürgerkrieg von 1936-1939. Auch hat uns ein Neustädter Autor sein Manuskript gegeben, das wir gerade lesen.

Planen Sie Autorenlesungen in der Pfalz?
Zurzeit nicht. Oliver Steinke hat aber Anfragen aus Nürnberg, Stuttgart, der Schweiz und Österreich erhalten, wo er wahrscheinlich diesen Herbst liest.

Was wünschen Sie sich für Ihren Verlag für die kommenden Jahre?
Dass wir jedes Jahr mindestens ein interessantes Buch herausbringen. Die Idee ist ja weniger Geld zu verdienen, sondern gute Literatur und Denkanstöße unter die Leute zu bringen.

Und nun noch ein paar persönliche Fragen an Sie: Ihr Verlag hat sein zu Hause in Neustadt/Weinstraße. Kommen Sie ursprünglich aus dieser Stadt in der Vorderpfalz?
Nein, wir fühlen uns aber wohl hier.

Können Sie uns etwas über Ihren Lebensweg erzählen?
Schon, aber ich glaube nicht, dass das so interessant ist. Es geht uns um die Themen, die wir aufgreifen. Wir freuen uns, wenn die Inhalte unserer Bücher auf Interesse stoßen und vielleicht sogar im Kleinen etwas Positives in Bewegung setzen.

Wo lesen Sie am liebsten?
Ich würde am liebsten in der Anarchie lesen.

Und nun bitten wir Sie uns noch etwas über Ihre Lesegewohnheiten zu verraten… Welches sind Ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?
Ich lese ausschließlich die Bücher von Oliver [Steinke, A.d.R.], weil er mein Mann ist und mich dazu zwingt. Nee aber im Ernst: Das verändert sich wie bei allem. Oft lese ich mehrere Bücher zu meist unterschiedlichen Themen gleichzeitig. Zurzeit sind es zwei: „Freiheit für Mumia Abu Jamal“ in der Reihe „Bibliothek des Widerstandes“ von Michael Schiffmann. Es macht mich sehr zornig, dass in der sogenannten „freien Welt“ jemand 29 Jahre unschuldig im Gefängnis sitzt, die längste Zeit davon sogar im Todestrakt.
Das zweite ist „Lernen geht anders“ von Remo H. Largo. Hier finde ich wertvolle Denkanstöße, was Respekt gegenüber der Vielfalt und den unterschiedlichen Wegen von Menschen betrifft. Der Leistungswahn und die andauernde Förderung, Forderung zu mehr Leistung wird untersucht und in der Folge abgelehnt.

Haben Sie einen speziellen Lieblingsverlag?
Nein, es gibt eine ganze Reihe wertvoller, meist kleinerer Verlage: So zum Beispiel Assoziation A, die ungewöhnliche Themen aufgreifen wie die Spurensuche nach dem deutschen Kolonialismus in Afrika oder der Karin Kramer Verlag aus Berlin, der die Gedichte von Jim Morrison, dem Sänger der Doors, veröffentlicht.

Danke für das Interview!

Mehr Infos im Netz unter: www.dutschke-verlag.de

Eure Meinung

Eine Antwort zu “INTERVIEW MIT DEM DUTSCHKE-VERLAG”

  1. [...] sich dieser zudem durch seine Einstellung abseits des Mainstreams positioniert (siehe auch unser Interview), darf eine Rezension der Ersterscheinung, Kaperfahrt nach Palmares von Oliver Steinke, [...]

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