Kunst – abseits des Mainstreams
Sonntag 19. Mai 2013

Archiv

« JE ME SOUVIENS DE TOUT »

Manfred Werner/Wikipedia

Ein dunkler, kraftvoller Sprechgesang und die auffallende Gestik zweier schmaler, bleicher Hände, die diesen mal untermalen, mal kommentieren oder auch ironisieren – das sind die Kennzeichen der Juliette Gréco.
Mittlerweile ist die französische Chansonsängerin 83, was sie aber nicht daran hinderte am Samstag, den 19. Juni ein Konzert im Rahmen der Palatia Jazz Reihe zu geben.
Diese wahrscheinlich letzte Gelegenheit die berühmte Chansonnière live zu erleben ließ sich natürlich auch das Team von Succulture nicht entgehen.

Nach einer kleinen Ansprache erscheint sie auf der kleinen Bühne der Festhalle Pirmasens, auf welche das Konzert kurzfristig aufgrund der schlechten Witterung verlegt wurde, und hebt an zu singen – so wie sie es wahrscheinlich schon vor über 60 Jahren im Saint-Gérmain des Prés,  Paris´ berühmten Künstlerviertel, tat. Ihre Stimme klingt herb und süßlich zugleich und immer wieder blitzt ein solch jugendlicher, verführerischer Charme in ihren Augen auf, der wahrhaft Zweifel am Alter der Sängerin aufkommen lässt.

Die Instrumentierung ließe sich am besten mit dem Wort “zurückhaltend” beschreiben, wenn gleich das Können des Akkordeonspieler Jean Louis Matinier und des Pianisten Gerard Jouannest, ihr Mann, vor allem in einigen Soloparts ebenfalls beeindrucken. Im Vordergrund steht aber die Stimme der Juliette Gréco – zurecht war sie die Muse von vielen Poeten, Schriftstellern und Musikern. Man kann sich bildhaft vorstellen wie Boris Vian, Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Jacques Prévert, Francois Mauriac und viele mehr an ihren Lippen hingen, wenn sie anfing ihre Texte, ihre Melodien zu singen. Aber an diesem Abend sang sie nicht nur alte Chanons  (- sogar “Déshabillez-moi”) sondern auch Lieder aus ihrem neueren Album “Je me souviens de tout”, welches 2009 bei Polydor/Universal erschien.

Viel hat Gréco in ihrem Leben gesehen und es ist ein Glück, dass sie trotz ihres gespaltenen Verhältnisses zu Deutschland -  1943 wurde sie, ihre Schwester und ihre Mutter von der Gestapo verhaftet, da letztere in der Résistance aktiv war – trotzdem wieder hier auftritt.

Ein absolut einmaliges Erlebnis!

Dein Kommentar