Normalerweise gehören Historienromane nicht unbedingt zum Spektrum von Succulture. Wenn aber ein Verlag direkt in Neustadt an der Weinstraße (Pfalz) gegründet wird und sich dieser zudem durch seine Einstellung abseits des Mainstreams positioniert (siehe auch unser Interview), darf eine Rezension der Ersterscheinung, Kaperfahrt nach Palmares von Oliver Steinke, selbstverständlich nicht ausstehen. Für den Autor ist es allerdings nicht seine erste Veröffentlichung; bereits 2003 erschien sein erstes Buch Die Flamme der Liebe und des Aufstandes im Karin Kramer Verlag, drei weitere folgten im Edition AV Frankfurt. Durch seine Romane will er, wie er es auf seiner Homepage ausdrückt, “die Verbannung der Libertären [aufheben]” – statt mit wissenschaftlichen Texten, will er mit Prosa aufklären.
Ganz in diesem Sinne steht auch Kaperfahrt nach Palmares: Dass sich der Reichtum vieler europäischer Seefahrerstädte im 17. Jahrhundert auf den Menschenhandel in der neuen Welt zurückführen lässt, ist längst kein Geheimnis mehr. Dass aber auf den Plantagen Afrikaner Seite an Seite mit versklavten Europäern arbeiteten, ist weniger bekannt. Der jugendliche Hugh O Driscoll wird im Jahr 1649 während Oliver Cromwells Kriegszug einer der Iren, der von den Engländern gefangen genommen wird, um auf dem Sklavenmarkt in der Karibik verkauft zu werden. Von der Zuckerplanatage kann er aber die Flucht ergreifen und wird bald vom Sklaven zum Bukanier, einem Piraten, der Jagd auf seine Sklavenhändler macht – bis die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt. Bei der Schilderung dieser Ereignisse schont Steinke seine Leser keineswegs, von Euphemismen des Seeräuber-Lebens wie in Fluch der Karibik ist keine Spur, und doch kann man das Buch nach den ersten Seiten schwer wieder aus der Hand legen.
Auch steckt hinter der spannenden Geschichte mehr als bloße Aufklärung über das “wahre” Seeräuberleben und das zweite Gesicht der Kolonialzeit – der unsterbliche Ruf nach Freiheit und Gerechtigkeit zieht sich wie ein goldenes Band durch Kaperfahrt nach Palmares und schließt somit passgenau an die Philosophie des Dutschke-Verlages an. Da verzeiht man gerne das verbesserungswürdige Layout, die Gestaltung und das etwas unpraktische Papierformat. Pluspunkt hingegen ist die beigefügte Zeittafel, welche einen Überblick über die wirklichen Geschehnisse zwischen Irland und England, der Karibik und Europa gibt. Ein wichtiges Buch, vor allem wenn man bedenkt, dass es Oliver Cromwell in einer Umfrage der BBC unter die Top 10 der großartigsten Briten geschafft hat.
Worte sind Pfeile, Pinsel, Farben, Steine, manchmal Speere. Sie zielen auf die Wirklichkeit: Auf die der Vergangenheit und mit ihr die der Gegenwart, vor allem aber auf ihre mögliche Verwandlung. – Oliver Steinke
Kaperfahrt nach Palmares – oder die wahre Geschichte des irischen Piraten Hugh O Driscoll, Oliver Steinke, ISBN: 978-3-943078-00-8, Dutschke-Verlag, 196 Seiten.


