Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

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myboshi – wie die Geschäftsidee zweier junger Männer die Handarbeit wieder aufblühen lässt

Ist Handarbeit, zu neudeutsch „Textiles Gestalten“, als Unterrichtsfach noch zeitgemäß? Wie motiviert man vor allem männliche Schüler, wenn es ums Häkeln geht? Seit diesem Schuljahr bekommen Lehrer kräftig Unterstützung und profitieren vom neu entwickelten, bisher einzigartigen „myboshi-Selfmade-Projekt“ der Gründer Felix Roland und Thomas Jaenisch.

Begonnen hat die Erfolgsstory der beiden 2009 während eines Skilehreraustauschs in Japan mit abendlichem Karaoke, während draußen ein erbitterter Schneesturm tobte. Funktionale, wärmende Mützen mussten her, und das ohne in Punkto Styling zurückstecken zu müssen. Auf diese Weise entstand das Motto: „zu jedem Style die passende Boshi“, wobei Boshi die japanische Übersetzung für Mütze ist. Zurück in Deutschland starteten die aus Oberfranken stammenden Studenten als Existenzgründer durch und häkelten Boshis für ihre ersten Kunden. Von da an ging es steil bergauf, sodass sich in der Zwischenzeit einiges getan hat. Felix und Thomas fertigen die Mützen längst nicht mehr alleine an, sie haben rund 30 Häklerinnen auf 400€-Basis eingestellt, die ihr Hobby zur sinnvollen Beschäftigung machen und so ihre Rente aufbessern.

Mit Veröffentlichung ihres ersten Buches „Mützenmacher“ Anfang 2012 –das innerhalb von nur einem Jahr zum meistverkauften Handarbeitsbuch wurde- steuerten die Jungs das inzwischen Kultstatus erlangte Mützenlabel in eine völlig neue Richtung. Das Selfmade-Buch erklärt die Häkel-Basics und beinhaltet detaillierte, leicht verständliche Boshi-Anleitungen. Die Machart ist schlicht, die (Grund)Technik aus halben Stäbchen, Luft- und Kettmaschen innerhalb kürzester Zeit erlernbar. Wer gar nicht mehr weiter kommt, sucht Hilfe auf Facebook oder Youtube. Dort gibt es inzwischen etliche Tipps und Kniffe, sodass es für jeden möglich sein sollte, sein eigenes Unikat anzufertigen. Ihre Anfangsidee haben sie jedoch nicht aufgegeben, zur Freude der Angestellten, die wegen Veröffentlichung der Häkel-Anleitungen um ihren Arbeitsplatz bangten. Vielmehr stellt das „myboshi Selfmade Projekt“ eine Erweiterung dar, wie die beiden Gründer über den Entschluss ihr erstes Buch zu schreiben, erzählen. Die Produktpalette vergrößerte sich auf einen Schlag mit Veröffentlichung des zweiten Buchs „mützenUNDmehr“: Loops, Schals, Armstulpen, Taschen und viele weitere Mützenmodelle kamen hinzu, die nicht schwieriger, aber in der Herstellung wesentlich zeitintensiver sind. „Ein Schal für 50-60€ kauft dann niemand mehr, beim Selbermachen spart man die Kosten für den Arbeitsaufwand“, so Geschäftsführer Thomas Jaenisch. Wer aus zeitlichen Gründen, chronischer Unlust oder Hang zum Perfektionismus seine Boshi trotzdem nicht selbst häkeln möchte, kann diese über den „myboshi Konfigurator“ individuell designen und den Auftrag an die routinierten Häklerinnen aus Oberfranken und der Region weitergeben. Preise: zwischen 40€ und 55€. Die Lieferzeit beträgt in der Hauptsaison bis zu vier Wochen, oftmals sind die Mützen jedoch früher fertig. Verpackt in einer edlen Metalldose inklusive Zettelchen mit dem Namen der Häklerin. So wisst ihr, wer euer neues Lieblingsstück gefertigt hat.

Wir finden myBoshi und Geschäftsführer Thomas Jaenisch absolut abseits des Mainstreams und würden uns wünschen, dass der Mega-Trend, der gleichzeitig zur Erhaltung der traditionellen deutschen Handarbeit beiträgt, noch lange andauert. Die brandneue „Sommerwolle No 2“ ist bereits erhältlich, ein „Häkelguide“ mit speziellen Sommermodellen wird demnächst erscheinen.

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