Kunst – abseits des Mainstreams
Dienstag 26. September 2017

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NACHLESE NÜRNBERGER SPIELWARENMESSE

Gestern ging die 64. Auflage der Nürnberger Spielwarenmesse zu Ende. Die internationale Leitmesse für Spielwaren, Hobby und Freizeit musste jedoch erneut einen deutlichen Besucherrückgang verzeichnen. Waren in 2012 noch mehr als 76.000 Händler und Einkäufer unterwegs (2011, 79.000), schrumpfte die Zahl in diesem Jahr auf 73.500. Ob dies auf die starke Negativpresse im Vorfeld zurückzuführen ist? Ernst Kick, Chef der Spielwarenmesse e.G., führt es eher auf den zunehmenden Konzentrationsprozess im Fachhandel zurück.

Überhaupt stellten sich die Diskussionen um elektronisches Spielzeug im Voraus als völlig übertrieben heraus. Natürlich haben wir an einigen Ständen smartphone- beziehungsweise tabletkompatibles Spielzeug gesehen. Allerdings stellt dies unserer Meinung nach keine Konkurrenz zum herkömmlichen Spielzeug dar. Gesellschaftsspiele, Brett- und Holzspiele sind heute noch genauso angesagt, wie vor fünf Jahren, was die Besucherzahl an den Messeständen der „konventionellen“ Spielehersteller zeigte. Diese Entwicklung bestätigte die Jury mit der Wahl des ToyAwards in fünf zielgruppenspezifischen Kategorien. Die Siegerprodukte entstammen allesamt alt bekannten Innovationen wie z.B. dem „Turmstapeln“( Baby&Infant), einem Gesellschaftsspiel mit Holzfiguren und Karten (PreSchool), einem Geschicklichkeitsspiel, aufgepeppt durch den wissenschaftlichen, physikalischen Aspekt (SchoolKids) sowie einer transportablen Autorennbahn (Teenager&Family). Der Preis für das Toy 3.0 ging an den Verwandlungskünstler RoboMe, der verbunden mit einem iPhone oder iPod Touch mit seinem Benutzer kommunizieren kann.

Beobachtungen absolut abseits des Mainstreams haben wir vor allem an den Gemeinschaftsständen der Initiative „Junge Innovative Unternehmen“ in Halle 11.1 gemacht. Dort wies uns der Geschäftsführer von SALZIG, Stephan Landschütz, in die Welt der Sporthocker ein. Im Mittelpunkt steht dabei ein quasi unverwüstlicher, konkav-förmiger Hocker mit einer gewöhnlichen 45cm Sitzhöhe, der sowohl indoor als auch outdoor geeignet ist. Entstanden ist das bisher einzigartige Produkt –eine Mischung aus Sitzmöbel und Sportgerät- im Rahmen seiner Diplomarbeit als Produktdesigner im Jahr 2008. Seither wächst die Fangemeinde kontinuierlich, sodass bereits Weltmeisterschaften “King of Hock” ausgetragen werden. Schaut man sich Videos der aufstrebenden Sportart an, erinnert das Werfen, Fangen und Balancieren allerdings eher an eine Abwandlung der Rhythmischen Sportgymnastik für Grobmotoriker. Da die Hocker in drei verschiedenen Gewichten erhältlich sind, ergibt sich jedoch auch die Möglichkeit die 2,2kg-Modelle als reines Sitzmöbel für Bars, Jugendherbergen und Privatbalkone zu nutzen.

Ebenfalls interessant verlief das Gespräch mit Alexander Lata, dem Geschäftsführer des jungen Unternehmens InGrün Design aus Pforzheim. Dieses hat sich qualitativ hochwertigem, schadstofffreiem Sitz- und Liegemöbel, insbesondere für Kinder, verschrieben. Durch Verwendung eines schlichten, nicht festgelegten Designs mit dem Namen „Erik“, wird die Vorstellungskraft der Kinder jeden Tag aufs Neue gefördert. Großer Pluspunkt bei diesem Unternehmen: Herstellung und Vertrieb kommen aus einer Hand, „…man kennt die Leute“, wie es der Geschäftsführer ausdrückt.

Als letztes möchten wir euch die Manufaktur Ella&Paul vorstellen, die sich auf die detailgetreue Herstellung von Kuscheltieren nach Kinderzeichnungen spezialisiert hat. Bereits die Entwürfe der Kleinsten können eingeschickt und zum Leben erweckt werden. Ein solches Konzept ist in Deutschland bisher einzigartig und wir sind guten Mutes, dass sich das erst seit September 2012 bestehende Unternehmen rasant entwickeln wird.

Insgesamt haben wir mehrere Kilometer durch die Hallen der Messe Nürnberg zurück gelegt. Die oben erwähnten Labels und Produkte sind natürlich längst nicht alles, was wir an einem Messetag sehen konnten. In den nächsten Wochen werden wir euch hoffentlich einige unserer „Messebekanntschaften” näher vorstellen, ihr dürft gespannt sein!

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