Kunst – abseits des Mainstreams
Montag 23. Oktober 2017

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PIXIE – Vom behüteten Mädchen zur internationalen Größe im Drogengeschäft -

Fast ein Jahrzehnt lang führte sie ein glamouröses Leben. In ihrer Wahlheimat Berlin, wo sie unter anderem Japanologie studierte, lernte sie Hollywoodstars wie Michael Douglas und Danny DeVito kennen, arbeitete als Hostess und Model. Mit dreiunddreißig heiratete sie Werner, einen in Deutschland zur Fahndung ausgeschriebenen Bankbetrüger und zog mit ihm nach Melbourne. Zusammen organisierten sie Drogenschmuggel in Milliardenhöhe, reisten um den Globus und planten weitere Coups.

Doch dann sollte das Luxusleben ein Ende haben. Am 11. September 1999 durchsucht man in einer groß angelegten Razzia die gemeinsame Villa in Melbourne und stellt schließlich über fünf Kilogramm Kokain sicher. Mohr wird in dem berüchtigten Frauengefängnis „Deer Park“ in Melbourne inhaftiert, bis zu ihrem Prozess vergeht mehr als ein Jahr.

Glanz und Glamour werden zwangsläufig gegen knallharte Gefängnisregeln getauscht. Tägliche Urintests und Leibesvisitationen, Selbstmorde, Gewalt unter den Häftlingen sowie das sich im Umbruch befindende, australische Justizsystem ist das unausweichliche Tagesgeschehen von Mohr.

Als „Der Jahrhundertprozess“ geht er in die australische Geschichte ein und erntet eben soviel Publicity als Aufruhe. Nach Absitzen ihrer Haftstrafe wird Mohr 2004 aus Australien ausgewiesen und lebt heute wieder in ihrer Heimat Neustadt an der Weinstraße, wo sie einst sehr behütet aufwuchs.

Überraschend einfühlsam, weniger abgezockt, als sie sich teilweise selbst in ihrer Autobiografie beschreibt, erzählt Andrea Mohr über die wohl schwierigsten Jahre ihres Lebens. Angefangen als Studentin mit Kontakten in die Drogenszene, über die Bekanntschaft mit dem kolumbianischen Drogenboss Raffael bis hin zur kommerziellen Ausdehnung und zur internationalen Größe im Kokainhandel. Sie hat das geschafft, was nur wenige Frauen in dieser Szene von sich behaupten können: sie wurde mit Respekt behandelt. Besonders prägnant schildert Mohr ihren kalten Entzug, die damit verbundenen Qualen und den Ausweg, den sie sich suchte. Als „Peerworkerin“ unterstütze sie Neuankömmlinge in Deer Park, half ihnen in der Anfangszeit Anschluss zu finden und fungierte als Sprachrohr zwischen Gefängnisleitung und Insassen. Auch dieses Prädikat hat sich Mohr durch Respekt erarbeitet.

Eine Autobiografie, voll von Gegensätzen. Ein wohl behütetes Mädchen – eine glamouröse Frau – eine furchtlose Drogenbaronin. Gegensätzlich zu unserer „heilen“ Welt. Fesselnd bis zur letzten Seite.

Die Erstausgabe ihrer Autobiographie in englischer Sprache erschien bereits 2009 unter dem Titel „PIXIE“ bei Abrams Books.

PIXIE. Vom Drogen-Jetset in den Frauenknast. Mein Leben“, ISBN: 978-3-8025-3742-4, Egmont Verlagsgesellschaften, 312 Seiten.

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