Kunst – abseits des Mainstreams
Dienstag 26. September 2017

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Seitenwechsel – Schauspiel von Chris Chibnall

George, verheiratet, Vater eines kleinen Sohnes, lebt für den Fußball. Er ist Trainer beim Drittligisten Northbridge Town und versucht, aus einem mittelmäßigen Kader, bestehend  aus 14 Spielern, das Beste heraus zu holen. Als seine Mannschaft beim FA Cup dem FC Liverpool zugelost wird, spürt der Verein das erste Mal einen Hauch von Euphorie. Übertragungswägen stehen vor dem Vereinsgelände und Journalisten begleiten die Spieler auf Schritt und Tritt. George setzt darauf, dass die „Reds“ seinen bisher unbekannten Verein unterschätzen und bereitet seine Spieler entsprechend auf das Spiel des Jahrzehntes vor.

Trotz Überlegenheit der Liverpooler gelingt dem kurz vorher eingewechselten, 17-jährigen Nachwuchstalent Darren Quinn der Ausgleich. Eine heitere Nacht in angesagten Nachtclubs folgt. Ein Triumph, den man so in Northbridge Town bisher nicht kannte. Als George und Darren am nächsten Morgen alleine um die Häuser ziehen, passiert es: Darren küsst George und gesteht ihm seine Liebe. George, selbst verwirrt, versucht seinen Schützling zu beruhigen. Bereits am nächsten Morgen ist nichts mehr so wie es war: auf den Titelseiten der Zeitungen prangt ein Foto, das die beiden beim Kuss im Sonnenaufgang zeigt. Empörung aus Reihen des Managements, der Eltern, der Fans und der Außenstehenden. Schnippische Kommentare der Spieler, entwürdigende Szenen in der Kabine, Intoleranz, Unverständnis und Verachtung begleiten George fortan bei all seinen öffentlichen Auftritten.

Der Fußball tritt in den Hintergrund. George wird arbeitslos, seine Frau trennt sich von ihm und nimmt den kleinen Sohn mit. Im freien Fall von oben nach ganz unten verliert George nicht nur den Boden unter seinen Füßen, sondern auch seinen Lebensinhalt: Fußball.

Ein knapp 70-minütiger Monolog, in dem der Fußballtrainer George die Höhen und Tiefen im Leben eines Fußballprofis beschreibt. Gleichzeitig erinnert er sich an seine eigene Zeit als aussichtsreicher, junger Fußballer, die ebenfalls zeigt, wie schnell der Sport gegen Homosexualität in den Hintergrund gerät und was es in der Männerdomäne Fußball bedeutet „schwul” zu sein.

Homosexualität im Fußball wird in den Medien immer häufiger diskutiert. Sondersendungen mit Fußball- und Medienexperten versuchen auf das Thema aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Das Schauspiel “Seitenwechsel” konfrontiert die Besucher auf seine ganz eigene Art mit dem Tabuthema und gehört nicht zuletzt durch die überragende Leistung von Jan Henning Kraus zu einer der besten Aufführungen der laufenden Spielzeit im Pfalztheater Kaiserslautern.

Nächste Vorstellungen: 19.05., 25.05.

Eine Aufführung des Pfalztheaters Kaiserslautern. Regie: Susanne Schmelcher.

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