Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

Archiv

STROBO -DAS ORIGINAL VOM BERLINER BLOGGER AIREN-

Als Strobo im August 2009 beim Berliner Kleinverlag SuKuLTuR erscheint, sind es nur die Insider, die sich für die erste offizielle Veröffentlichung des jungen Bloggers Airen interessieren. Das Buch selbst besteht aus Blogeinträgen im Zeitraum von 2004 bis 2009 und schildert die Lebensweise des 1982 geborenen, in Bayern aufgewachsenen, Autors.

Die Bekenntnisse eines Maßlosen

Strobo ist die schriftliche Krönung von Airen, in dem er, der sich selbst als einen „Maßlosen“ bezeichnet, die wohl „krasseste“ Zeit seines Lebens durchmacht. Angefangen als 14-jähriger, der seine erste Bong raucht, Studienzeit, Nebenjobs, Exzesse, Drogen, Abstürze, Ängste, Rauschzustände. Ungeniert und authentisch schreibt Airen detailgenau seine Erlebnisse auf. „Das Buch ist im Rausch erlebt und im Rausch geschrieben.“ Gnadenlos und ohne Rücksicht auf gesundheitliche Verluste stürzt er sich Nacht für Nacht in die Berliner Techno-Szene und sucht dort die absolute Befriedigung.Ich muss mich damit abfinden, dass Sex ein zutiefst animalisches Vergnügen ist. Das mit Liebe nichts zu tun hat.“ Gerade die Szene-Discothek Berghain, in der er regelmäßig Sex mit Unbekannten hat, spielt für ihn eine große Rolle.

Gewissermaßen beschreibt er auch die heutige Generation: bedingungslos, konsum- und spaßorientiert, oberflächlich. „Feiern bis der Notarzt kommt“, „arbeiten ist scheiße“, „Kokain und Valium gibt’s um die Ecke“. Mit Szenejargon bricht Airen auch die restlichen Normen, und lässt Wörter wie „krass“, „ficken“ und „homo“ in seinem literarisches Meisterstück mitwirken.

Plagiatsdebatte verschafft Airen den zweiten Ruhm

Erst als im Februar 2010 Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ die Bestsellerlisten stürmte, wurde man auf einen eventuellen „Textklau“ aufmerksam. In der Tat stellte sich damals heraus, dass ganze Textpassagen Airens Handschrift tragen, Hegemann demnach abgeschrieben und die entsprechenden Stellen nicht gekennzeichnet hat. Die für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierte 17-jährige Nachwuchsautorin, Schauspielerin und Regisseurin, reagierte gelassen und verwies auf die „copy-and-paste-Mentalität“ der heutigen Zeit. Alles andere als gelassen reagiert jedoch ihr Verlag. Ullstein einigte sich schließlich mit SuKuLTurR, erkaufte quasi die Rechte und versprach eine Veröffentlichung.

Das Buch war ein Schrei nach Liebe“

Nachdem Airen die Arbeit an seinem Debüt im September 2008 abgeschlossen hatte, wanderte er nach Mexiko aus, wo er seine jetzige Frau kennen lernte. Als er 2009 nach Berlin zurückkommt, spielen Berghain und Co keine Rolle mehr für ihn.

ISBN: 978-3-548-28288-6, Verlag: ullstein Taschenbuchverlag, Erschienen: Oktober 2010, Preis: 8,95€, Seiten: 208.

Dein Kommentar