Kunst – abseits des Mainstreams
Mittwoch 13. Dezember 2017

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UNTER DIESER FURCHTERREGENDEN SONNE – CARLOS BUSQUED

Carlos Busqueds Romandebüt „Bajo este sol tremendo“ ist nun auch in Deutschland unter dem Titel „Unter dieser furchterregenden Sonne“ beim Antje Kunstmann Verlag erschienen. Der Roman, der sowohl gesellschafts- als auch regimekritisch angehaucht ist, setzt sich mit den weniger schönen Seiten Argentiniens auseinander. Denn nicht immer regierte der Tango das Land. Korruption und Drogenmafia sind leider auch heute noch in Südamerika keine Einzelfälle.

Janvier Cetarti, vom Autor schlicht Cetarti genannt, verbringt seine Tage ohne viel Ansporn und Abwechslung kiffend vor dem Fernseher. Seine Leidenschaft sind militärhistorische Dokumentationen sowie Tierfilme auf dem „Discovery Channel“. Besonders angetan haben es ihm die kannibalischen Riesenkraken, deren Nägel sich in den Verdauungstrakt ihrer Beute graben. Die Nachricht vom Tod seiner Mutter und des Bruders, zwingen ihn seinen gewohnten Trott zu verlassen. Er solle sich um alle weiteren Schritte kümmern, schließlich geht es auch um die Testamentsauflösung, von der sich Cetarti einiges verspricht. Angekommen in seinem Heimatdorf Chaco, scheinen Häuser und Menschen im Schlamm zu versinken. Die furchterregende Sonne ist das letzte Detail, das die „nach Scheiße, Pisse und Fäulnis“ riechende, nordargentinische Provinz zur absoluten Geisterstadt macht. Cetarti wird von Duarte, Unteroffizier der Luftwaffe und Kumpel von Daniel Molina, empfangen. Grotesk dabei ist die Tatsache, dass Molina, der Lebensgefährte und Mörder seiner Mutter und seines Bruders, der nach der Tat Selbstmord begangen hat, ihn als Testamentsvollstrecker ernannt hat. Dass Duarte zwielichtige, illegale und korrupte Geschäfte betreibt, bemerkt Cetarti erst gar nicht. Auch, dass er selbst Opfer von Duartes betrügerischen Machenschaften wird, scheint ihm egal zu sein, solange er möglichst wenig für den ihm zustehenden Teil des Erbes machen muss.

Busqued nimmt seine Leser mit auf einen halluzinogenen Horrortrip, der unkontrolliertes Handeln, ohne nachvollziehbaren Grund, in einer surrealen Welt präsentiert. Nicht zuletzt seine, durch jahrelange Erfahrung im Radiobereich, geschulten Satzstrukturen, verleihen dem Werk einen ganz besonderen Touch.

Eklige, widerwärtige und vulgäre Stellen gibt es im Buch zu genüge. Wer darin empfindlich ist, sollte sich vielleicht besser nach etwas anderem umschauen. Allerdings verpasst er dann die alptraumhafte, faszinierende Welt von Janvier Cetarti, an die man sich noch lange erinnern wird.

ISBN: 978-3-888-97678-0, Verlag: Antje Kunstmann Verlag, Erschienen: September 2010, Preis: 17,90€, Seiten: 192

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